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Nachrichten

Arzgebirgsche Peremid im Flochland

Text: Siegfried Scholz

Seit 31 Jahren dreht sich im Advent am Kurhaus Bad Schmiedeberg eine Pyramide. Der Wunsch, eine Weihnachtspyramide für Bad Schmiedeberg zu bauen, entstand  in der Mitte der 80er Jahre. Durch zahlreiche private und auch dienstliche Reisen in das Erzgebirge insbesondere in der Adventszeit wuchs der Gedanke bei mir, für Bad Schmiedeberg eine Pyramide bauen zu lassen. Zuerst besprach ich das Vorhaben mit dem damaligen Bad Schmiedeberger Bürgermeister, Dr. Wulf Littke. Nachdem in der Kureinrichtung ebenfalls grünes Licht gegeben wurde, lag nun der wichtigste und schwierigste Teil des Vorhabens bei mir, Geld und handwerkliche Kapazitäten zu organisieren. Ein Projekt, oder wie man heute sagt, eine Planungsunterlage musste her. Über Geschäftskontakte lernte ich den damaligen Drechslerobermeister Walter König in Annaberg-Buchholz kennen. Ich erinnere mich noch sehr gern an meinen ersten Besuch bei ihm, oder besser bei der Familie König. Es war ein Adventssonntag. Es lag Schnee, die Stadt Annaberg-Buchholz strahlte im Weihnachtsglanz. Familie König saß in der Wohnstube und schnitzte. Bei Strietzel und Kaffee trug ich das Ansinnen vor. Nach einigen Augenblicken des Schweigens sagte Walter König in erzgebirgischer Mundart, „do willsste im Flochland inne arzgebirgsche Peremid baue“. Als ich mich verabschiedete, versprach er, wenn der Schnee etwas nachgelassen hat, nach Bad Schmiedeberg zu kommen, um sich den Ort und den Standort für das Vorhaben anzusehen.

Im Frühjahr des Jahres 1987 kam Walter König zu uns, schaute sich um und versprach, einen Entwurf zu machen. Im Laufe des Jahres wurde sein Vorschlag diskutiert, und man entschloss sich, analog der Weihnachtspyramide von Annaberg-Buchholz eine für Bad Schmiedeberg zu konzipieren und zu bauen mit traditionellen Berufsfiguren der Region.
Weihnachten 1988 drehte sich das Modell mit 22 Figuren im Kurhaus. Man war begeistert. Ruhiger wurde es, als die Kosten genannt wurden. Man schätzte das Gesamtvorhaben auf ca. 80 bis 100.000 DDR-Mark. Eine für die damalige Zeit unverschämt hohe Summe, insbesondere für eine Weihnachtspyramide.
Mit einigen „Rückenwinden” ging ich an die Umsetzung des Werkes. Der Auftrag wurde ausgelöst. Die Firma König war nur zuständig für die Herstellung der Figuren. Für den gesamten konstruktiven Teil und für die Antriebstechnik musste ein anderer Partner gefunden werden. Ein schwieriges Unterfangen. So fanden wir nach langem Suchen und Verhandeln einen Stahlbaubetrieb hier in der Dübener Heide im Ort Griesen. Doch die Umsetzung zog sich bis in das Frühjahr des Jahres 1990 hin. Einmal mangelte es an Geld, ein andermal verschob die Firma den Fertigungstermin aus Kapazitätsgründen, und dann fehlte es schließlich der Drechslerei an der notwendigen russischen Kiefer. Auch möchte ich nicht verhehlen, dass es  Stimmen im Hintergrund gab, die aus ideologischer Sicht gegen dieses Werk wetterten.

Walter König lieferte die Figuren im Herbst 1989. Weihnachten 1990 war es endlich so weit. Die Pyramide strahlte und drehte sich das erste Mal auf dem kleinen Vorplatz vor der ehemaligen Stadtinformation. 26 Figuren drehen sich vom ersten Advent bis Heilige drei Könige zur Freude unserer Gäste und natürlich der Bevölkerung. Mit leuchtenden Augen stehen seither Kinder davor und verfolgen den Reigen. Anstelle traditioneller Motive sind unsere Figuren Badearzt, Kurpatient, Krankenschwester, Fischer, Schäfer, Waldarbeiter, Töpfer, Kutscher, Landwirt, Tischler, Jäger, Lehrer, alles Berufe aus der Dübener Heide. Mit einer Höhe von 8,50 m ist es eine der größten und auch schönsten Weihnachtspyramiden weit und breit. Seit 1999 steht unsere Pyramide direkt zwischen Schwanenteich und Kurhaus und ist der Mittelpunkt unseres kleinen Weihnachtsmarktes. Nutzen Sie die Adventszeit zur besinnlichen Betrachtung.

Dipl.-Ing., Dipl.-Jurist Siegfried Scholz war bis 2009 Geschäftsführer der Eisenmoorbad Bad Schmiedeberg-Kur-GmbH und Kurdirektor. 1970 bis 1990 war er Technischer Direktor im Eisenmoorbad. Er ist Ehrenbürger der Stadt. Seine Erinnerungen an die Bad Schmiedeberger Pyramide wurden im GÄSTEMAGAZIN Nr. 5 und Nr. 29 veröffentlicht.

 

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